Kunsttherapie?

So, du studierst...und was studierst du so?

...oh Kunsttherapie. Ah,... INTERESSANT!....

....................und was ist das?

So begannen schon dutzende Gespräche mit verschiedensten Menschen, von den eigenen Großeltern, über Mitfahrgelegenheiten bis hin zu Gesprächen auf Studentenpartys. Ich lege dann immer mehr meine verbale Schallplatte auf und spiel meinen Text herunter. Wem kann ichs verdenken, es ist und bleibt ein exotisches Berufsfeld!
Wer auf diesem Blog landet, wird recht schnell bemerkt haben, worin der Schwerpunkt desselben liegt und viele fragen sich hier bestimmt genauso, was soll das ganze hier eigentlich? Ich möchte hier keine allgemeingültige Definition verfassen (das können die Kollegen mit langjähriger Berufserfahrung um ein vielfaches besser), sondern vielmehr nur eine subjektive, auf diesen Blog ausgerichtete Erklärungsmöglichkeit bieten, um den Zugang zu erleichtern.

Ich studiere einen Berufszweig aus dem sozialen Bereich. Dieser umfasst alles, wo es sozialer Arbeit bedarf, einen unterstützenden und Halt gebenden Dialog in bestimmten Lebensabschnitten oder intensive Betreuung in Krisensituationen. Jede Therapie, jeder Therapeut hat sein Handwerkszeug: der Psychotherapeut hat sein Sofa, der Ergotherapeut seinen Werkraum, der Musiktherapeut seine Instrumente und der Kunsttherapeut hat seine Farben, Pinsel und Tonmasse.
Natürlich ist das nicht alles, aber eine kurze schnelle Klarstellung, in welchem Bereich ich mich bewege, wenn von Kunsttherapie die Rede ist. Als Kunsttherapeut agiere ich in einer Doppelrolle, die des Künstlers und die des Therapeuten. Deswegen berichte ich hier auch über meine eigenen künstlerischen Erfahrungen und Erlebnisse. Denn aus meinem künstlerischen Weg entwickelt sich meine ganz eigene therapeutische Haltung (z.b. welche Methoden ich anwende, welche Rolle ich dem Patienten gegenüber habe und wo der Schwerpunkt für mich liegt), die beim nächsten Kunsttherapeuten wieder sehr anders sein kann. Dabei geht es aber nie um die Herstellung von Kunstobjekten fürs Museum/Ausstellungen. Der Prozess ist das A und O und die eigenen Fähigkeiten zu fördern, Lösungen zu finden und Ressourcen in den eigenen Stärken zu erkennen und zu nutzen. Wie gut man malen und zeichnen kann, wird zu Nebensache, der eigene künstlerische Ausdruck wird nicht bewertet. Ich bin Begleiter und biete dem Klienten Hilfe/Raum zur Selbsthilfe und zum eigenständigen Entwickeln von Lösungen aus einem Problem heraus. 
So kann mein späteres Berufsfeld in einer Klinik sein, im Pflegeheim, in Walddorfschulen/-kindergärten, in eigenen Projekte, ja sogar in einem eigenen Atelier (Praxis). Auf dem aktuellen Stand bin ich aber noch frisch aus dem Studium, auf der Suche nach dem Traumjob und beziehe mich hier vor allem auf theoretische Erfahrungen in diesem Bereich.

Und der Unterschied zur Ergotherapie? Dort wird doch auch kreativ gearbeitet! 
Genau, deswegen sind sich beide Therapien auf den ersten Blick vielleicht ähnlich. Doch während in der Ergotherapie (nach einigen Meinungen die jüngere Therapieform) der Schwerpunkt in der Rehabilitation der eigenen Handlungsfähigkeit (Motorik) liegt (Ergotherapie - griech. "Gesundung durch Handeln und Arbeiten"), will die Kunsttherapie innere Kräfte anregen und ausgleichen (Psychosomatik - Seele und Körper). Durch künstlerische Ausdrucksformen gewonnene Erfahrungen können in andere Lebensbereiche übersetzt werden und Anwendung finden.

Natürlich wird die Kunsttherapie nicht für jeden das Ideal einer Therapie sein. Jeder Mensch ist anders und der eine kann sich in Bildern besser ausdrücken, als in Sprache und den nächsten berührt es gar nicht, künstlerisch kreativ zu wirken.
Dennoch wollte ich mit dieser knappen persönlichen Sichtweise auf die Kunsttherapie erste Unklarheiten beseitigen, hoffe, dass mir dies halbwegs gelungen ist und wünsche viel Spaß beim Streifzug durch meinen Blog!

Du betreibst selbst einen Kunst - oder Kunsttherapieblog? Du zeichnest/malst/plastizierst gerne (oder vielleicht sogar einen ganz andere Ausdrucksform)? Ich vernetze mich gerne, also schreib mir (via Kommentar oder Email), wenn du gerne mit deinem Blog und meinem in Austausch miteinander treten möchtest.